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Alter Finne! - Fazit eines Auslandssemesters

von Florian Schächter

Von September bis Dezember 2016 habe ich Computer Science an der Aalto University in Helsinki studiert. In diesen vier Monaten habe ich sehr viel erlebt. Jedem, der vor der Entscheidung steht ein Auslandssemester zu machen, möchte ich sagen: „Mach das!“

Kurz vor Weihnachten hatte ich alle meine Klausuren in Finnland bestanden und kehrte am 22. Dezember zurück nach Deutschland. Im Folgenden möchte ich kurz von meinen Erfahrungen berichten und ein abschließendes Fazit geben. Manche von euch erinnern sich vielleicht an meinen ersten Text, der im letzten Germanenbrief erschienen ist. Dort berichtete ich über mein gerade stattfindendes Erasmus-Semester in Helsinki und über das Erasmus-Programm allgemein.

 

Das Zusammenleben und -studieren mit anderen jungen Menschen aus ganz Europa war eine super Erfahrung. Helsinki und Finnland bestechen durch eine unfassbar schöne und unberührte Landschaft. Dies reicht von Nationalparks (in denen ich mit meinen Germanen-Besuchern Yannik und Nils wandern war) bis hin zu der riesigen Region Lappland im Norden, die mein Bedarf an Kälte und Schnee für die nächsten Jahre ausreichend gedeckt hat. Die geographische Nähe zu anderen Ländern wie Schweden, Russland oder den baltischen Ländern lädt zu Reisen ein. Aber auch das Studium dort bietet viele Möglichkeiten. Wir Bonner Informatiker haben aufgehört zu rätseln ob der Berliner Flughafen oder unser neues Institutsgebäude schneller benutzbar wird (auch hier gibt es anscheinend Probleme beim Brandschutz). An der Aalto University und in Finnland generell bietet sich da ein ganz anderes Bild: Moderne und gut ausgestattete Universitäten, gute Betreuung durch Dozenten und ein vielfältiges Fächerangebot haben mir viele neue Einblicke in Themen ermöglicht, die ich hier bei uns nicht hätte machen können.

Die Anrechnung meiner in Finnland bestandenen Module war eigentlich relativ unproblematisch, ich musste nur meinen „Transcript of Records“ einreichen und die Noten wurden entsprechend eingetragen. Auch die restliche Bürokratie ließ sich schnell abhaken. Nach der Rückkehr musste ich noch einen kleinen Online-Sprachtest machen und einen Erfahrungsbericht für zukünftige Studenten verfassen. Auch steht man auf Wunsch per E-Mail für weitere Rück-fragen  von zukünftigen Austauschstudenten zur Verfügung.

Ein Punkt, der mir besonders aufgefallen ist, ist dass die Universität in Helsinki sehr darum bemüht war uns als Studenten zu bewerben. Es fanden mehrere Informationsabende zu den Master-Programmen dort statt, und ich habe tatsächlich mehrere ältere Studenten getroffen die nach ihrem Erasmus-Semester im Bachelor, dann nach Finnland ausgewandert sind. Mehrere meiner Kommilitonen haben auch ihr ursprünglich halbes Jahr verlängert, und können so nun auch noch den finnischen Sommer erleben. Da für mich hier in Bonn im Sommersemester 2017 meine Bachelorarbeit ansteht, war das leider keine Option für mich. Allerdings möchte ich in meinem Master, wenn möglich, noch mal ein Auslandssemester absolvieren. Diesen Werbeaspekt hab ich so vorher nicht erwartet und ich würde auch mal vermuten, dass die Uni Bonn da nicht mit demselben Eifer zur Sache geht, was ich sehr schade finde.

Um ein abschließendes Fazit zu ziehen: Es gibt eigentlich, neben den oben erwähnten positiven,  so gut wie keine negativen Erfahrung die ich gemacht hätte. Das Studium komplett auf Englisch ist zwar anspruchsvoll, aber hilft einem denke ich mal für das spätere Leben. Zugegebenermaßen haben die Leistungen schon etwas unter den vielen Aktivitäten in Finnland gelitten, aber wenn man bedenkt, dass alle meine Kurse dort auf Master-Niveau waren, will ich mich da nicht wirklich beschweren. Ich habe von vielen gehört, dass ein Semester eigentlich zu kurz ist, um ein Land richtig kennen zu lernen. Dem würde ich schon zustimmen, aber um einfach mal ganz woanders zu Leben und komplett andere Leute kennen zu lernen, ist die Zeit schon ok. Allerdings lässt sich auch nicht verneinen, dass es Zuhause doch immer noch am schönsten ist, und es hat mich sehr gefreut die vielen bekannten Gesichter an Silvester auf dem Germanenhaus wiederzusehen.